DIE ALPAKAS

Alpakas unterscheiden sich in einigen Punkten klar von den Lamas: sie sind deutlich kleiner, sicher unter 1 m Stockmass, möglichst nicht über 90 cm. Die erwachsenen Tiere wiegen ca. 60 - 70 kg. Die Ohren sind gerade, spitz zulaufend und relativ kurz. Der Beckenansatz ist stärker gewinkelt, was dem ganzen Tier einen etwas gerundeten Aspekt verleiht, im Gegensatz zu der eher rechteckigen oder quadratischen Silhuette der Lamas. Der Kopf ist kürzer und spitzer (Kindchenschema). Vor allem aber ist die Bewollung ausgeprägter, dichter, feiner und gleichmässiger als die der meisten Lamas. Die besten Wolltiere haben auf Rücken und Flanken praktisch kein Deckhaar mehr, sondern nur noch die feinere Unterwolle.

In vielen Punkten den Lamas sehr ähnlich, besitzen sie einen ausgeprägteren Herdentrieb und sind dem Menschen, mit dem sie nie so eng zusammen gearbeitet haben, weniger verbunden. Ihre geringe Grösse und ihr plüschtierhaftes Aussehen machen sie aber zum Liebling all jener die sich von den grösseren Lamas zu sehr beeindrucken lassen.

Der Umgang mit den Alpakas ist jedoch eher schwieriger als mit echten Lamas (ohne Guanaco-Blut), da sie wesentlich nervöser und störrischer sind. Als Freizeittier ist das Lama vielseitiger, aber natürlich kann man auch mit seinem Alpaka spazieren gehen.

Die feine Wolle der Alpakas ist ein Plus für jene (seltenen) Halter die sie verarbeiten wollen, ansonsten macht sie vor allem mehr Arbeit und die Tiere anfälliger für Hautkrankheiten. Es ist zudem unrealistisch zu glauben man könne mit der Wolle Geld verdienen (auch wenn dies gewisse Züchter immer noch behaupten).

In Europa ist dieser Aspekt wohl vernachlässigbar. Für die Bauern im Altiplano hingegen ist zu hoffen, dass ihre Anstrengungen den steigenden Qualitätsansprüchen gerecht zu werden erfolgreich sein werden, denn die Alpakawolle ist, ausser dem Tourismus, wahrscheinlich der einzige wirtschaftliche Hoffnungsschimmer für die Hochanden. Leider sieht die Lage dort alles andere als rosig aus.

WOLLTYPEN

Bei den Alpakas unterscheidet man zwischen zwei Wolltypen: Der Typ "Huacaya" ist bei weitem der verbreitetste. Die Wolle ist dicht, bauschig-flockig und neigt zum Verfilzen. - Bild oben.

Auch in Südamerika selten sind die "Suri-Alpakas", die Hauptsächlich in Peru vorkommen. Die Suri-Wolle ist strähnig gelockt, wobei die einzelnen Zapfenlöckchen beim reinen Suri durchgehend bis auf die Haut erkennbar sein müssen. Bei den besten Tieren soll die Belockung überall, z.B. auch in der Kopftolle, ausgprägt sein.

Das Vlies ist stärker glänzend als beim Huacaya und sehr langfasrig. Die Wolle liegt durch ihre besondere Struktur dichter am Körper an und bildet auf dem Rücken einen ausgeprägten Scheitel. Dieser Scheitel soll die Tiere empfindlicher gegen Nàsse machen, auch gelten die Suri-Alpakas als besonders nervöse Tiere. Die attraktive Wolle ist schwierig zu verarbeiten. Der Look hingegen ist sehr apart.

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Das gilt natürlich nur für uns Züchter und Halter von Hobby- und Freizeittieren in Europa. In Südamerika (vor allem in Peru) und neuerdings auch in Australien, wird intensiv versucht sowohl das Volumen der Wollproduktion als auch ihre Qualität so zu verbessern und zu vereinheitlichen, dass sich auch die moderne Textilindustrie wieder vermehrt für die edle Faser interessiert. Dazu braucht es sehr grosse Bestände und entsprechende Flächen an Weideland.

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Heute hat man also die Wahl zwischen den verschiedenen Wolltypen, aber auch, wie bei den Lamas, zwischen verschieden Ursprüngen. Die buntesten kommen aus Chile, die mit der dichtesten und feinsten Wolle aus Peru. Letztere sind meist sehr teuer, weil der peruanische Staat and dem Export der Tiere heftig mitverdient, was ja verständlich ist.

Die peruanischen Tiere sind meist weiss, oder zumindest hell. Sie sind über Jahrzehnte so selektioniert worden, einerseits weil die hellere Wolle offenbar wirklich feiner ist, andererseits weil die Wollindustrie die weisse Wolle bevorzugt, da diese sich leicht eingefärbt werden kann, um den schnell wandelnden Bedürfnissen der Textilindustrie zu folgen.

Ebenfalls auf Grund der einfacheren Verarbeitung der Wolle werden einfarbene Tiere bevorzugt, obwohl für den europäischen Freizeit-Tierzüchter mehrfarbige Typen sehr attraktiv sein können - siehe oben.

Für den europäischen Hobby-Halter ist der Entscheid Lamas oder Alpakas zu halten eine reine Geschmacksfrage. Es gibt eben einfach Lama- und Alpakaleute. Auf die Dauer tendieren die meisten entweder zu der einen oder der anderen Art.

Beide zusammen werden eher selten gehalten und wenn, dann meist aus rein kommerziellen Gründen. Natürlich ist die Haltung von zwei unterschiedlichen Rassen, bei denen aber doch das Risiko besteht, dass sie sich kreuzen, erheblich aufwendiger als die Spezialisierung.

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DIE HUARIZOS

Die Lamas und Alpakas sind nahe genug verwandt um fruchtbare Nachkommen erzeugen zu können. Diese unerwünschten Kreuzungsprodukte werden "Huarizos" genannt. Natürlich haben direkt verwandte Nutztierrassen, die so eng zusammen leben, sich über die Jahrtausende immer wieder beeinflusst.

Direkte Kreuzungen produzieren aber entweder plumpe, schlecht proportionierte Zwischenformen oder manchmal auch ganz charmante Tierchen, welche aber die an sich schon nicht besonders grossen Unterschiede zwischen den Arten noch mehr verwischen.

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Vorne links und rechts zwei typische Huarizos in den chilenischen Anden.

 

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