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DAS URSPRUNGSGEBIET DER LAMAS

60 % des Gesamtbestandes an südamerikanischen Kleinkameliden (Neuwelt-Kleinkameliden) lebt schätzungsweise in Bolivien. Darauf folgt Peru mit der grössten Alpakadichte und vor allem der besten Wollqualität. In Ekuador, Chile und Argentinien, den übrigen drei Anden-Ländern mit Kleinkameliden-Populationen (Kolumbien ist zu tropisch), leben nur noch Restbestände.

Chile nimmt eine Sonderstellung ein, weil von dort aus, im Gegensatz zu den übrigen Andenländern, Importe in die Europäische Union möglich sind und daher in den letzten Jahren auch Ansätze zur Zucht für den Export geschaffen worden sind.

Vor der Eroberung durch die Spanier(ab 1531), denen innerhalb von 10 Jahren 90% der Kameliden und 80% der Menschen zum Opfer vielen, lebten die Lamas und Alpakas überall in den nicht-tropischen Gegenden dieser Region, vom Meeresspiegel bis in die höchsten Hochebenen. Seither haben die importierten europäischen Nutztiere sie immer mehr in die Berge verdrängt (3000 bis über 5000 m ü. M).

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Den Aymara- und den Quechua-Indios, welche die Lamas und Alpakas vor Jahrtausenden aus den Wildformen geschaffen haben, ist es trotzdem gelungen ihre Tiere bis zum heutigen Tag zu erhalten. Ihr weiteres Überleben ist für die ganze Region von Bedeutung, denn die Lamas sind an das Leben in diesen äusserst kargen Gebieten und der dünnen Höhenluft hervorragend angepasst.

Ihr Blut kann mehr Sauerstoff speichern als das anderer Säugetiere und sie gehören zu den Pflanzenfressern welche am besten Zellulose in Proteïne umwandeln können. Mit ihren kraftvollen Kiefern sind sie fähig die zähesten Pflanzen und kleine Äste zu zermalmen und wieder zu kauen.

Gleichzeitig gehen sie auch schonend mit ihrer Umwelt, einer Art Hochgebirgs-Tundra, um. Ihr Fressverhalten und die geringe Trittbelastung schädigen die erosionsanfälligen Weiden weitaus weniger als die Beweidung durch die anspruchsvolleren und empfindlicheren eingeführten Nutzttierrassen.

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Der europäische Lamahalter kann beim Betrachten dieser Bilder verstehen, weshalb zu reiches Futter für Lamas Gift ist und weshalb sie Sandboden, auch im Stall, jedem anderen Untergrund vorziehen.

Die "Puno" genannte Landschaft der Hochebenen ist durch starke Temperatur-Unterschiede zwischen Tag und Nacht und ein sehr trockenes Klima geprägt. Nur im Frühjahr der Südhemisphäre (November-Dezember) gibt es eine kurze Regenzeit. Schneefall ist trotz der Höhe auch im Winter selten.

Eine halbwegs durchgegende und nahrhafte Vegetation gibt es höchstens an den Stellen, an welchen das Schmelzwasser aus den umliegenden schneebedeckten Gipfeln hindurch fliesst und die flach genug sind damit es sich ausbreiten kann. An den Hängen wächst hauptsächlich hartes Zwergbuschwerk oder auch gar nichts.

Diese Feuchtstellen heissen "Bofedales" und sind die Oasen der Kameliden. Wo diese grünen Flecken fehlen, trifft man keine der anspruchsvolleren Alpakas mehr an und in den ganz trockenen Gebieten fehlen dann ebenfalls die Lamas. Nur die Wild-Kameliden, besonders die Guanacos, finden auch dort noch, zumindest zeitweise, genügend Futter.

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Es gibt hier nie genug Pflanzenwachstum um Heuwirtschaft zu betreiben und Vorräte anzulegen. Nur weil die Winter verhältnismässig mild sind (es besteht kein sehr grosser Unterschied zwischen Sommer und Winter), ist in dieser Halbwüste überhaupt Tierhaltung möglich. Sommer wie Winter sind die Nächte eisig und tagsüber die Sonneneinstrahlung intensiv.

Temperaturunterschiede von 40 Grad Celsius zwischen Tag und Nacht sind keine Seltenheit. In schneereichen Wintern (El Niño) verhungern immer wieder grosse Bestände von Kleinkameliden. Aber auch extreme Trockenperioden werden häufiger.

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In solchen Steinkorrals verbringen die Lamas die Nächte, ursprünglich wohl auch um sie vor Raubtieren zu schützen, heute aber hauptsächlich um den Kot als Brennmaterial zu sammeln. Es gibt keinerlei Vorkehrungen um die Tiere vor den Unbillen der Witterung zu bewahren, weder Unterstände noch, wegen der Höhenlage (auf diesen Bildern über 4000 m), Bäume.

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Wie überall auf der Welt wird auch hier der Lebensraum ständig knapper und die traditionellen Wanderungen der Herden werden mehr und mehr eingeschränkt. Das führt zu schlechtem Futterangebot und erhöhtem Parasitenbefall und somit zu abnehmender Widerstandskraft und Qualität der Herden.

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In Chile gibt es traditionelle Lama- und Alpakazucht nur noch ganz im Norden, nahe der Grenzen zu Bolivien und Peru. Hier im Altiplano (4500 Meter) um die Vulkane Parinacota (6,348 Meter) und Pomerape (6,222 Meter) teilen sie ihre mageren, aber weitläufigen Weidegründe mit wild lebenden, geschützten Vikuñas.